Fränkisches Weinland. Die schönsten Orte und ihr Wein

Fränkisches Weinland. Das sind schöne, romantische, oft mittelalterliche Dörfer und Städte.

Als Gast werden Sie eine Weinregion wie das Fränkische Weinland nie wegen des Weins allein bereisen. Es ist immer die Gesamtheit von Landschaft, Natur, Genuss und Kultur, die den Gast anzieht. Und Kultur verstehen wir hier nicht nur im Sinne der Ausdrucksformen der Kunst. Kultur ist der gesamte Lebensstil der Menschen, der einer Region ihren Charakter verleiht. So bietet Franken vieles, was eine Region sympathisch und attraktiv macht.

Wir beschreiben hier ein paar Orte im fränkischen Weinland, die zu besuchen sich in besonderer Weise lohnt. Dabei konzentrieren wir uns auf die drei Regionen Würzburg, Schwanberg und Mainschleife. Orte, die wir nicht erwähnt haben, mögen es uns nachsehen. Schließlich ist jede Betrachtung subjektiv, und der Rahmen dieses Beitrags ist begrenzt. Im Vordergrund stehen für uns die Qualität der Weine, die Besonderheit des „Terroir“ und die Schönheit der zum großen Teil mittelalterlich geprägten Orte.

 

Würzburg und Umgebung

 

Würzburg – Welterbe und Baukunst eines Jahrtausends

Das eindrucksvollste Gebäude der Wein-Großstadt Würzburg ist ohne Zweifel die ehemalige fürstbischöfliche Residenz. Die UNESCO nahm das Schloss 1981 in die Weltkulturerbe-Liste auf und würdigte es als „das einheitlichste und außergewöhnlichste aller Barockschlösser, einzigartig durch die Originalität, ihr ehrgeiziges Bauprogramm und die internationale Zusammensetzung des Baubüros, eine Synthese des europäischen Barock“. Besonders berühmt ist das von dem Venezianer Giovanni Battista Tiepolo geschaffene Deckenfresco im Treppenhaus, eines der größten und schönsten der Welt.

Die zahlreichen anderen Sehenswürdigkeiten von Würzburg zu beschreiben würde hier zu weit führen. Dieser Beitrag soll kein Mini-Reiseführer sein. Daher nur ein paar Stichworte zu Orten, die Sie sehen sollten.

Aus der Altstadt kommend führt der Weg über die Alte Mainbrücke auf die rechte Seite des Mains. Bis 1886 war die älteste Brücke Würzburgs der einzige Übergang über den Main. Statuen von Heiligen und Herrschern zieren das Bauwerk. Auf einer Bergzunge auf der linken Mainseite thront die Festung Marienberg über Würzburg, gesäumt von Gärten und hervorragenden Weinbergen. Heute beherbergt die Festung Marienberg zwei Museen, das Mainfränkische Museum mit der weltweit größten Riemenschneider-Sammlung und das Fürstenbaumuseum.

Den Kirchen von Würzburg müsste man einen eigenen Beitrag widmen. Von weitem zu sehen ist der Dom St. Kilian mit seinen beiden hohen Türmen. Es ist die viertgrößte romanische Kirche und ein herausragendes Werk deutscher Baukunst aus dem 11. Und 12. Jahrhundert. In direkter Nachbarschaft erhebt sich die Neumünsterkirche, eine barocke Basilika.  Das Bild des Marktplatzes wird beherrscht von der gotischen Marienkapelle. Hier wurde u.a. der große Baumeister Balthasar Neumann bestattet.

Historische Erlebnisführungen bietet der Würzburger Nachtwächter an. Im historischen Gewand mit Hellebarde und Laterne führt er in die romantischen Winkel der Stadt. Dabei erzählt er in fränkischer Mundart amüsante Anekdoten und Geschichten aus der Würzburger Vergangenheit.

 

Würzburg, die Musik und der Wein

Ob im prächtigen Kaisersaal, im klassizistischen Fürstensaal oder im romantisch beleuchteten Hofgarten: beim Mozartfest in der Residenz verbinden sich barocke Baukunst und Musik zu einer seltenen Harmonie. Einige eindrucksvolle Räume werden beim Mozartfest im Juni 2017 zur stimmungsvollen Kulisse. Fränkisches Weinland ist auch ein Land der Barockmusik.

Wer statt Mozart mehr auf andere Musik steht, kommt in Würzburg auch auf seine Kosten. In den Weinkellern und Weingütern gibt es den ganzen Sommer über ein rechthaltiges Programm mit Wein, Kulinarik und Musik. So findet z.B. im Hofgarten der Residenz das Hofgarten Weinfest vom 14. Juli bis 23. Juli 2017 statt. Die Weinparade am Marktplatz bietet vom 23. August bis 03. September 2017 ein breites Angebot aus Keller und Küche.

Der Weinbau in Würzburg dominiert nicht gerade von der Menge her den fränkischen Weinbau, aber die Qualitäten, die erzeugt werden, haben zum Teil Weltklasse (siehe hierzu auch Eichelmann und andere Weinführer). Besonders bekannt für herausragende Weine sind die steilen Hänge am Würzburger Stein. Es ist die älteste Weinlage Deutschlands mit eigener Lagenbezeichnung. Fränkisches Weinland in Reinkultur.  Weniger bekannt sind die exzellenten Weinberge an der Inneren Leiste, unter der Feste Marienberg. Mit den Steillagen ist es aber so eine Sache. Der Klimawandel treibt die Temperaturen in die Höhe, sodass es an Steillagen zum Teil schon sehr heiß wird. Wenn dann noch extreme Niederschläge hinzukommen, kann ein Weinberg in einer Steillage Probleme durch Abschwemmung bekommen. Darüber hinaus ist die Bewirtschaftung aufwändiger als in weniger steilen Lagen.

In Würzburg findet man Weingüter, die das Wort „Spital“ im Namen tragen. Das Juliusspital und das Bürgerspital waren früher Stiftungen für Alte, Kranke und Bedürftige. Den Wein brauchten sie zum einen als Einnahmequelle, zum anderen um Wasser genießbar zu machen. Heute gehören sie mit weit über 100 Hektar zu den größten Weingütern Deutschlands.

Das Terroir um Würzburg herum begünstigt den Weißwein. Hier wie auch in den meisten Regionen des fränkischen Weinlandes ist die Hälfte der Rebfläche mit Müller-Thurgau und Silvaner bepflanzt, wobei der Anteil des Müller-Thurgau zurückgeht. Es soll Weinfreunde geben, die das verschmerzen können. Während am Mainviereck um Bürgstadt Buntsandsteinböden beim Anbau samtiger Rotweine helfen, treten im Raum Würzburg und östlich davon vermehrt Lehm, Löss- und Muschelkalkböden zu Tage. Orte mit besonderer Weinqualität im Umkreis von 25 km sind u.a. Randersacker,  Sommerhausen, Frickenhausen und Sulzfeld.

 

Randersacker

„Hineingebaut in Stein und Wein“ ist der Slogan, mit dem sich der wenige Kilometer von Würzburg mainaufwärts gelegene Weinort präsentiert. 1200 Jahre Weinbau, hervorragende Weine und Muschelkalk prägen den mittelalterlich anmutenden Ort bis heute.  Das Traditionsbewusstsein der Winzer kommt auch in einem Museumsweinberg zum Ausdruck, einem altfränkischen „Wengert“. An einem „Weinweg“ informieren auf 3,5 km viele Thementafeln zu Terroir, Trias und Landschaft.

Der Kalkboden gab und gibt nicht nur dem Wein seinen Geschmack. Über viele Jahrhunderte wurde hier Quaderkalk abgebaut, wovon noch viele Steinbrüche zeugen. Ein „Steinhauermuseum“ zeigt historische Gerätschaften, Werkzeuge, Fossilien und vieles mehr.

Bekannte Weinlagen von Randersacker heißen Teufelskeller, Pfülben, Lämmerberg, Marsberg oder Sonnenstuhl. Daneben gibt es die Großlage „Ewig Leben“, die zahlreiche Einzellagen umfasst. Eine Großlage ist übrigens nicht zu verwechseln mit einer „Großen Lage“. Es ist eher das Gegenteil. Die Existenz von Spitzenweingütern und die geologischen Bedingungen rechtfertigen es durchaus, dass sich Randersacker Premium-Weinort nennt.

 

Sommerhausen

„Sommerhausen ein fränkischer Sonderfall“, so überschrieb der poetische Reiseschriftsteller Horst Krüger seinen Aufsatz über Sommerhausen. Das Ambiente des Ortes ist nicht nur von Winzern und Bauern geprägt, sondern auch von Künstlern. Einer von ihnen war Veit Relin, der Sommerhausen mit seinem Torturmtheater weit über die Region hinaus bekannt gemacht hat. Es ist im Würzburger Tor untergebracht und gilt als kleinstes Theater Deutschlands.

Auch im Hinblick auf die Winzer und die Gastronomie ist Sommerhausen ein besonderer Ort. Ein renommiertes Weingut befindet sich in einem besonders sehenswerten Fachwerkhaus, dem historischen Pastoriushaus. Es trägt den Namen von Franz Daniel Pastorius, der 1683 als erster deutscher Auswanderer nach Amerika ging. Auch das Schloss Sommerhausen ist einen Besuch wert.

Zahlreiche Ateliers und Boutiquen laden zu einem Einkaufsbummel ein. In der Adventszeit veranstaltet Sommerhausen einen Weihnachtsmarkt, der sich durch ein besonderes künstlerisches Niveau auszeichnet.

An den warmen sonnigen Hängen über dem Main gedeihen auf Muschelkalkböden hervorragende Weine. Einen traumhaften Blick über die Weinberge bietet die Aussichtsplattform des Programms „terroir f“. Unter dem Motto „Kunst und Wein“ bietet sich außer der Aussicht auch der Anblick von sieben Skulpturen. Die Sommerhäuser Weinwelt mag die Künstler hierbei inspiriert haben.

 

Frickenhausen

Eingebettet zwischen steilen Weinbergen und dem Main liegt einer der ältesten mittelalterlichen Winzerorte des fränkischen Weinlands – Frickenhausen. Repräsentative Barockbauten, prächtige Fachwerkhäuser und die mächtige Befestigungsmauer mit vier Türmen bewahren den Glanz vergangener Tage bis heute.

Schlendern Sie durch die malerischen Gassen oder unternehmen Sie eine Wanderung auf einem der ausgeschilderten Themenwege. Danach kann man sich, begleitet von einem Glas guten Frickenhäuser Wein, die heimischen Spezialitäten wie Mostsuppe, Rotweinlebkuchen oder Käseblootz schmecken lassen.

Der Boden macht den Wein, neben dem Winzer natürlich. Doch die Qualität muss aus dem Weinberg kommen, nicht aus dem Keller.  Um das Maindreieck dominiert Muschelkalk den Boden, im Steigerwald gibt Keuper den Ton an. Kosten Sie die verschiedenen Weine und urteilen Sie selbst, ob ein Wein vom Keuper vollmundiger und erdiger ist als die leichten, edlen Weine vom Main.

 

Sulzfeld

Das idyllische Winzerdorf Sulzfeld inmitten von Weinbergen der Lagen Maustal und Cyriakusberg ist ein mittelalterliches Kleinod besonderer Art.  Deshalb wurde es auch 2009 bei einem bundesweiten Wettbewerb als schönstes Dorf Bayern ausgezeichnet. Mit seiner geschlossenen Stadtmauer, den verwinkelten Gassen und den alten Fachwerkhäusern bietet Sulzfeld eine romantische Kulisse für abwechslungsreiche Stunden beim Frankenwein wie auch für Feste und Events.

Hier wurden die weit über das Frankenland hinaus bekannten Meterbratwürste erfunden und die „fränkischen Tierli“ (Buchtitel) vom hier lebenden Künstler Harald Schmaußer entdeckt. In der Galerie Harald Schmaußer erwarten die Besucher Fantasie und humorvolle Gedanken. So ist Harald Schmaußer u.a. der Entdecker eines prähistorischen Weintieres, des „Öchsletier“. Der Gewölbekeller eines alten fränkischen Winzerhauses dient als Privatgalerie.

Wer fränkisches Weinland bereist, sollte die Orte am Maindreieck keinesfalls auslassen.

 

Der Schwanberg mit Iphofen und seiner Umgebung

 

Das Weinstädtchen Iphofen

In der Weinstadt am Fuße des Schwanbergs laden fränkische Gastlichkeit und Kultur zu inspirierenden Begegnungen und Genuss ein. Das historische Stadtidyll beeindruckt den Gast mit Türmen und Toren, die auf eine lange Geschichte bis ins Mittelalter zurück blicken. Im historischen Ortskern findet man verwinkelte Gassen, prunkvolle Kirchen und hervorragende fränkische Gasthäuser. Iphofen ist umgeben von einer komplett erhaltenen Stadtmauer mit Toren und Türmen. Man entdeckt sie am besten bei einem Rundgang entlang des früheren Wassergrabens. Besonders sehenswert sind das Rödelseer Tor, das Mainbernheimer Tor und das Markteinersheimer Tor.

Kommunikativer Mittelpunkt von Iphofen ist der Marktplatz und der Marienbrunnen, der von einer barocken Marienfigur gekrönt wird. Auf dem Marktplatz finden häufig Märkte und Weinfeste statt. Mittelpunkt aus der Sicht des Weingenusses ist die oberhalb des Marktplatzes gelegene Vinothek, deren Architektur zu den interessantesten Objekten ihrer Art im fränkischen Weinland gehört. Ausgebildete Gästeführer zeigen Ihnen das historische Städtchen, seine Umgebung und die Weinwelt von Iphofen. Dazu gehören u.a. 20 Weingüter und Winzerfamilien.

Am Schwanberg nördlich von Iphofen lernen Sie Weinlagen kennen, die zu den Besten in Franken zählen – insbesondere die berühmte Lage Julius-Echter-Berg. Daneben liegen die ebenfalls sehr guten Lagen Iphöfer Kalb und Kronsberg. Der Boden ist geprägt vom Gips-Keuper, der dem Wein viel Struktur und mineralische Aromatik verleiht. Natürlich können Sie in den Weingütern, in die wir Sie führen, die herausragenden Weine von Iphofen verkosten.

Am Julius-Echter-Berg wurde vor wenigen Jahren ein Geschichtsweinberg angelegt, der in die Jahrhunderte der Weinbaugeschichte zurückführt. Drei Weinbergterrassen zeigen auf rund 2000 qm, wie die Weinbergflächen im Mittelalter, um das Jahr 1800 und in den Sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts ausgesehen haben. Mit Trockenmauern, Muschelkalk, Hecken und Streuobstwiesen in der Umgebung bietet der Geschichtsweinberg außerdem selten gewordenen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Sie erreichen den Geschichtsweinberg in einer dreiviertelstündigen Wanderung vom Rödelseer Tor aus. Der steile Aufstieg wird mit einem traumhaften Ausblick belohnt. Diesen gewährt auch schon der kurz davor liegende Aussichtspunkt aus dem Programm „terroir f“ – magische Orte des Frankenweins.

Auch Naturfreunde kommen in Iphofen auf ihre Kosten. Hier findet man noch einen echten Mittelwald mit hohen alten Bäumen und jungem Unterholz. Wer sich für diese historische Art der Waldbewirtschaftung interessiert, dem steht ein Mittelwald-Informationszentrum zur Verfügung. Südlich von Iphofen, jenseits der Bahnlinie, liegt auch ein Hütewald mit großen alten Eichen. Hier wird das Iphöfer Eichelschwein aufgezogen. Dieses Schwein, das über Monate in einem Freigehege heranwächst, zählt zu den ganz großen Delikatessen der Region. Fleisch, Schinken und Wurst vom Iphöfer Eichelschwein werden in verschiedenen Restaurants in Iphofen angeboten, so z.B. im Restaurant der Vinothek. Auch in großen Gourmettempeln der deutschen Gastronomie findet man Produkte vom Iphöfer Eichelschwein.

Neben Landschaft, Wein und Genuss kommt in Iphofen die Kunst und Kultur nie zu kurz. Am historischen Marktplatz liegt das Knauf-Museum, das seine Besucher in exotische Welten entführt. Schon das Gebäude ist eine mutige Kombination aus Alt und Neu, das sich harmonisch in das Ensemble der umliegenden alten Gebäude einfügt. Neben vielen Sonderausstellungen bietet die Dauerausstellung „Reliefsammlung der großen Kulturepochen“ eindrucksvolle Anregungen.

 

Rödelsee

Direkt am Fuß des Schwanbergs, nur zwei Kilometer von Iphofen entfernt, liegt der Weinort Rödelsee. Seine Weinlagen mit den Namen „Küchenmeister“ und „Schwanleite“ gehören zu den besten Frankens. Die tiefgründigen Keuper-Böden lassen fruchtige, mineralische Weine entstehen, was vor allem die Rebsorten Silvaner und Müller-Thurgau begünstigt. Doch den Winzern gelingen – neben anderen Rebsorten – auch hervorragende weiße und rote Burgunder.

Die Süd- und Westhänge des Schwanbergs liegen geschützt gegen raue Nordwinde in einer mikroklimatisch sehr begünstigten Lage. Wären nicht die oft kalten Winter, so könnten hier auch Feigen und Orangen wachsen. Die waldige Kuppe des Schwanbergs bietet ausreichend Wasserversorgung.  Allerdings muss hier zunehmend durch Anlage von Wasserspeichern nachgeholfen werden. Bewässerungssysteme sind rar, man hat sie lange Zeit nicht gebraucht. In den Weinbergen rund um den Schwanberg führen Wanderwege zu einmalig schönen Aussichten. Im Ort Rödelsee laden Restaurants und Weinstuben dazu ein, die örtlichen Weine zu verkosten und beste fränkische Küche zu genießen.

Mitten in Rödelsee liegt das Schloss Crailsheim, das von einer Winzergenossenschaft betrieben wird. Im Schlosspark sitzt man in historischer Umgebung unter alten Bäumen und kann ein Glas Wein genießen. Besonders zu erwähnen ist der Weihnachtsmarkt an einem Wochenende der Adventszeit. Er findet in den Räumen des Schlosses sowie im Schlosspark statt und ist einer der schönsten im fränkischen Weinland. Aus fränkischem Rotwein (meist Dornfelder) wird hier u.a. eine köstliche Feuerzangenbowle bereitet.

Hüttenheim

Nur knapp 10 km entfernt von Iphofen liegt der Weinort Hüttenheim. Wer ihn in den „offiziellen“ Portalen www.franken-weinland.de und www.fraenkisches-weinland.de sucht, wird ihn ebenso wenig finden wie so manchen anderen fränkischen Weinort, dessen Weine und Winzer weit über die Region hinaus bekannt sind. Hüttenheim ist nämlich keine Gemeinde und wird daher nicht aufgeführt. Der Ort gehört zur Gemeinde Willanzheim. Wer das nicht weiß, tut sich mit der Suche schwer. Es lohnt sich aber, den Ort zu finden, denn Hüttenheim bietet eine bemerkenswerte Kombination von Kultur und Kulinarik.

Zentrum des Ortes ist die Kirchenburg, eine der interessantesten Anlagen dieser Art in Franken. Die Gebäude um die (heute evangelische) Kirche bildeten die Schutzmauer gegen Feinde. Unter den Gebäuden liegen Gaden, die der Bevölkerung zur Lagerung und Versorgung dienten. In die Kirchenburg ist auch ein Restaurant integriert. Wer mehr über Kirchenburgen wissen möchte, kann den nahe gelegenen Ort Mönchsondheim besuchen. Dort bietet ein Kirchenburgmuseum Einblick in die Geschichte dieser Wehranlagen. Zusammen mit zahlreichen Dauerausstellungen ist eine Art Freilandmuseum entstanden.

Kulinarische und festliche Höhepunkte des Jahres sind in Hüttenheim u.a. der Kirchenburgmarkt im Mai und das Kirchenburgweinfest im August (18. bis 20. 08. 2017). Daneben bieten zahlreiche Restaurants, Heckenwirtschaften und Winzerstuben eine reichhaltige Auswahl der fränkischen Küche. Das Weinangebot ist vielfältig und kommt in erster Linie vom Hüttenheimer Tannenberg. Dieser kegelförmige Berg am Rande des Steigerwaldes hat zwar keine „Großen Lagen“, aber doch einige sehr gute Weinlagen.

Rund um den Tannenberg führen zahlreiche Spazierwege, die einen weiten Blick über das fränkische Weinland Unterfrankens bieten. Einer dieser Wege führt zu einem alten jüdischen Friedhof. Hüttenheim hat außer der katholischen und der evangelischen Kirche auch die Reste einer Synagoge zu bieten.  Für Freunde der Drahtesel bietet Hüttenheim auch ein privates Fahrradmuseum mit über 100 historischen und ausgefallenen Fahrrädern.

 

Das Weinparadies

Ja, und dann gibt es da auch noch das Weinparadies. Es ist eine Kooperation mehrerer Orte rund um den Ort Bullenheim. Von dort kommt der paradiesische Name, denn da gibt es eine Weinlage namens Bullenheimer Paradies. Im Weinparadies sind Sie richtig, wenn Sie relativ günstige und eher unkomplizierte Weine in froher Runde genießen möchten. Am Hang des Kapellenbergs über Bullenheim und Seinsheim wurde eine Weinparadiesscheune mit weitem Blick in die Landschaft errichtet. Sie erfreut sich vor allem an Wochenenden großer Beliebtheit. Man kann auf Bierbänken im Freien sitzen, deftige Speisen verzehren und sich den örtlichen Wein schmecken lassen. Wenn Sie Glück haben, treffen Sie dabei auch eine Weinprinzessin. Das Weinparadies – ein aus weintouristischer Sicht unbestreitbar erfolgreiches Projekt. Es ist wie bei so vielen Dingen: Sie müssen selbst entscheiden, ob es Ihnen gefällt.

 

Volkach und Umgebung

 

Die Volkacher  Mainschleife

Die Volkacher Mainschleife ist einer der schönsten und interessantesten Regionen Frankens. Fränkisches Weinland von seiner schönsten Seite. Eine wahre Schatztruhe für Genießer und Erholungssuchende. Die historisch, kulinarisch und kulturell herausragende Region ist eines der zentralen Anbaugebiete des Frankenweins. Neben Weinbergen so weit das Auge reicht liegt hier auch das Herz des Obst- und Spargelanbaus des fränkischen Weinlandes. Dies schlägt sich auch auf den Speisekarten nieder. Neben typisch fränkischen Gerichten werden je nach Saison auch Spargel- und Fischgerichte angeboten, stets begleitet vom passenden Frankenwein. Von den Höhen um die Mainschleife haben Sie einen herrlichen Blick in die Weiten des fränkischen Weinlandes.

 

Volkach

Das Weinstädtchen Volkach mit seinen verwinkelten Gassen und Straßen strahlt eine Ruhe und Beschaulichkeit aus, die einen erholsamen Aufenthalt versprechen. Die vom Lauf des Mains bestimmte Landschaft wird geprägt von steil abfallenden Uferhängen und sanften Hügeln. Die Muschelkalkböden der Umgebung bieten ideale Bedingungen für das Gelingen köstlicher Weine. Ein idealer Ort für kurze Ausflüge aus dem Alltag, für Wandertouren, Radfahren, Schifffahrten auf dem Main und Weinverkostungen, die auch höchsten Ansprüchen genügen.

Kirche, Rathaus und das herrliche Schelfenhaus prägen den Ortskern mit seinen vielen alten Handwerkshäusern. Volkach besitzt eine geschlossene Altstadt mit zwei Stadttoren, die heute die Hauptstraße an beiden Enden abschließen. Vom Barock geprägte Gebäude und Fachwerkbauten machen den fränkischen Charme der Stadt aus. Volkach bietet seinen Gästen ein vielfältiges, umfangreiches Kulturangebot und ein breit gefächertes Veranstaltungsprogramm rund um das Jahr.

Oberhalb des Ortes, direkt an der Mainschleife, liegt die spätgotische Wallfahrtskirche Maria im Weingarten mitten in den Weinbergen. Berühmt ist sie vor allem wegen des bedeutenden Kunstwerks von Tilman Riemenschneider, der Maria im Rosenkranz. In der Weinlandschaft gegenüber von Volkach am Main erhebt sich die ehemalige Kartause Astheim. Das 1409 gegründete Kloster ist mittlerweile ein Museum katholischer Bilderkultur.

Zum Wein in Volkach: die Spitzenlage heißt „Ratsherr“. Der Name geht auf einen trinkfesten Bürger in Ratsherrentracht zurück, der im Dreißigjährigen Krieg mit dem Schwedenführer siegreich um die Wette trank und die Stadt so vor Plünderungen verschonte.

 

Sommerach und die Weininsel

Volkach und Schwarzach am Main verbindet ein Kanal, um für die Schiffe die Fahrt auf dem Main abzukürzen. Dieser umschließt zusammen mit dem Weinbogen die Weininsel, ein malerischer Fleck Erde mit reicher Kulturlandschaft. Inbegriff der Kultur ist hier vor allem der Wein, der auf dem feinen Kalkboden eine ideale Grundlage findet. Zugleich unkompliziert und einladend präsentieren sich die „Inselweine“ – frische anregende Weißweine und samtige Rotweine, die von den Winzern in Sommerach und Nordheim gekeltert werden. Das sind die beiden Weinorte, die auf der Weininsel liegen.

Sommerach wird von einer mittelalterlichen Stadtmauer mit mehreren Türmen umschlossen. Stolze Bürgerhäuser und schmucke Fachwerkbauten verleihen dem Ort einen besonderen Reiz. Der Wein prägt das Leben der Menschen seit 1000 Jahren. Schon seit dem 11. Jahrhundert wird hier Wein angebaut. Berühmt ist vor allem die Lage „Katzenkopf“ nördlich von Sommerach. Die Winzergenossenschaft des Ortes, die sich „Winzer Sommerach“ nennt, ist die älteste im fränkischen Weinland und eine der besten. Ihre Vinothek ist sehenswert und nebenbei ein herausragender Beitrag zum Thema „Wein & Architektur“.

24 Winzerbetriebe vermarkten ihre Weine direkt an den Kunden. Darüber hinaus bauen rund 200 Familien Wein an und liefern ihre Trauben der Genossenschaft. Sommerach hat über 20 Gaststätten – bei nur 1.500 Einwohnern. Dies zeigt, wie groß hier „Genuss“ geschrieben wird. Die Nachfrage nach einem Aufenthalt in Sommerach ist so groß, dass die Gemeinde schon überlegt, wie der überbordende Touristenstrom bewältigt werden kann. Als erster Schritt wurde nun im Altort an Wochenenden ein Parkverbot für PKW erlassen, die nicht Einwohnern gehören. Wer Wein kaufen und einladen möchte, ist mit seinem Fahrzeug natürlich trotzdem willkommen.

 

Nordheim

Mit über 40 Weingütern und 250 Mitgliedern in der Winzergenossenschaft ist Nordheim der mengenmäßig größte Weinbauort Frankens. „Offen, frisch und modern“, das ist das Credo der Nordheimer zu ihren Inselweinen. „Vögelein“ und „Kreuzberg“ heißen die Lagen, auf denen zum größten Teil Silvaner und Müller-Thurgau wächst.  Von der viele Jahrhunderte währenden Tradition erzählen das Renaissancegebäude des Zehnthofs, barocke Hoffassaden und Fachwerkgiebel. Auch hier geht die Geschichte des Weinbaus über 1000 Jahre zurück.

Das Destillieren von Edelbränden hat hier besondere Tradition. Nordheim hat neben zwei Orten im Schwarzwald und in der Ortenau die höchste Brennereidichte in Deutschland. Neben den Trauben liefern die Streuobstwiesen an den Ufern des Mains den Grundstoff für die Maische, aus der gebrannt wird. Damit wird ein wertvoller ökologischer Beitrag geleistet, denn Streuobstwiesen haben eine hohe Bedeutung für die Artenvielfalt in der Natur. Es bleibt zu hoffen, dass nach einer Neuordnung der Brennrechte bzw. des staatlichen Monopols die Streuobstwiesen erhalten bleiben. Die Zahl der Brennereien wird in den nächsten Jahren deutlich zurückgehen.

 

Escherndorf

Im großen Bogen umschließt ein steiler Bergrücken den Weinort Escherndorf und öffnet sich nach Süden. Diese außergewöhnliche Lage mit ihren Muschelkalkböden hat sich seit mehr als 1.000 Jahren für den Anbau hervorragender Reben bewährt. Im Winter schützt die Lage vor den kalten Nordwinden. Im Sommer und Herbst fängt sie die Sonnenstrahlen wie ein Hohlspiegel auf.

1797 schrieb der ansässige Pfarrer Andreas Friedrich über die Lage:  „Der Boden des oberen Muschelkalks, die Hangneigung und die Sonneneinstrahlung haben sich hier zu einer einmaligen Komposition zusammen gefunden…“. Dadurch wird der „Escherndorfer Lump“ zu einer Lage, die zu den fünf besten in ganz Franken gezählt werden kann. Schon Goethe ließ sich angeblich jedes Jahr eine beachtliche Zahl Flaschen vom Escherndorfer Lump schicken. Noch heute leben die Einwohner des zweizeiligen Straßendorfs durchweg vom Weinanbau. Einige produzieren Weine, die zu den besten im fränkischen Weinland zählen und auf internationaler Bühne mit hohen Auszeichnungen versehen werden.

Der Lump ist nicht nur im Weinglas eine Attraktion. Die Wege durch die Weinberge sind steil. Dafür wird der Wanderer mit einer spektakulären Aussicht über die Mainschleife belohnt. Unterwegs findet man immer Marterl, aus Stein gehauene Bildstöcke, wie den berühmten Kreuzschlepper am Fuße des Escherndorfer Lump. Empfehlenswert ist der Wanderweg durch die Weinberge nach Köhler, einem verträumten Winzerdörfchen. Auch auf dem Kanu lässt sich die Mainschleife erkunden – vorbei an der Hallburg und der Vogelsburg über Escherndorf nach Köhler.

 

Schwarzach am Main

Nicht unbedingt ein Weinort, aber doch durchaus einen Besuch wert ist die Gemeinde Schwarzach am Main, nur vier Kilometer südlich von Sommerach. Die Benediktinerabtei Münsterschwarzach grüßt von weitem mit ihren vier Türmen. Der Bau wirkt romanisch, ist aber weitaus jüngeren Datums. Nach einem großen Brand wurde das Gebäude in den Dreißigerjahren des vorigen Jahrhunderts neu erstellt. Es ist der einzige große Sakralbau, der in Nazi-Deutschland genehmigt wurde.

Die Benediktinermönche führen Betriebe der verschiedensten Art: eine Schule, ein Seminar, ein Tagungshotel, einen landwirtschaftlichen Betrieb, eine Metzgerei, eine Bäckerei und einen großen Laden für Fairen Handel. Das Museum im Eingangsbereich der Abtei ist sehenswert.

Schwarzach am Main hat auch gastronomisch so einiges zu bieten. Mehrere Landgasthöfe überzeugen mit fränkischer Küche auf sehr hohem Niveau.

„Franken ist wie ein Zauberschrank; immer neue Schubfächer tun sich auf und zeigen bunte, gläserne Kleinodien, und das hat kein Ende. Wer Deutschlands geheimste, jungfräulichste Reize genießen will, muss nach Franken reisen“. Karl Immermann, Reiseschriftsteller, (1796 – 1840)

 

 Autor: Prof. Dr. Peter Voigt

Quellen u.a.:

  • Fränkisches Weinland Tourismus GmbH, Urlaubsmagazin 2017
  • franken-weinland.de, WEIN.SCHÖNER.LAND, Reisen zum Frankenwein 2017

Reisen in das fränkische Weinland finden Sie auf www.vingouri.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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